• Woche der Umwelt in Berlin

    by  • 21. Juni 2016 • Aktuelles

    Vom 7. Bis 8. Juni 2016 nahm der DRA an der Woche der Umwelt 2016 in Berlin teil (www.woche-der-umwelt.de), eine Initiative des Bundespräsidenten Joachim Gauck und der Deutschen Bundesstiftung Umwelt. Unter dem Slogan Innovative Spitzenleistungen aus Umwelt- und Naturschutz stellten sich fast 200 Firmen, Organisationen und Behörden aus Deutschland an Ständen vor und wurden über 80 Fachveranstaltungen zu Bildung/Kommunikation, Boden- und Naturschutz, zukunftsfähiges Wirtschaften, urbane Lebensräume, Energie/Klimaschutz, Ressourcen und planetare Grenzen/Transformation durchgeführt.

    Für die DRA-Arbeitsgruppe Umwelt und Klima standen die Themen Stand und Zukunft der Energiewende sowie Urbane Räume im Klimawandel im Zentrum des Interesses. Die Kernpunkte in diesen Bereichen lassen sich folgendermaßen zusammenfassen:

    Die Energiewende ist nach fast 50 Jahren ins Stocken geraten. Zwar wurden bedeutende Leistungen erbracht: Erneuerbare Energien konnten insbesondere im Stromerzeugungssektor aus dem Nischendasein in den Leitmarkt gebracht werden und sind kostengünstiger geworden. Vernachlässigt wurde die Energiewende jedoch in den Bereichen Verkehr, Wärme und Gebäude. Hier bestehen ein enormes Potential und Handlungsbedarf. Zudem müssten vehementer Lösungen für Energieeffizienz umgesetzt werden.

    Von den Kritikern der Energiewende, häufig Vertreter der auf konventionellen Energien basierenden Industrie, werden unklar gesetzte Rahmenbedingungen und fehlende Technologieoffenheit in den Regierungsprogrammen bemängelt. Sie führten zu verzerrten, ungleichen Wettbewerbsbedingungen (fehlendes level playing field) und damit zu Unsicherheit unter Wirtschaftsakteuren. Gleichzeitig böten bisherige Regelungen kaum echte Geschäftsmodelle und behinderten die Entwicklung von Innovationen. Klare Leitplanken und marktregulierende Instrumente werden demnach gefordert. Beispiele dafür wären international angepasste Emissionsgrenzen (CAP) und Preise für CO2 oder auch steuerliche Anreizsysteme für umweltschonende Verfahren.

    Die EEG Novelle wurde als eine weitere Bremse der Energiewende überwiegend kritisiert: sie bevorzuge mit ihrem Ausschreibungssystem große Bieter, verdränge dezentrale Lösungen und lokale Akteure (Kommunen und bürgerschaftliche Energiegenossenschaften beispielsweise). Letztlich äußerten viele Mitwirkende Bedenken, technokratische statt innovationsfördernde Lösungen könnten eine echte Energiewende behindern und dazu führen, dass Deutschland eine weltweit erwartete Innovationswelle verschläft. Die technologischen Entwicklungen der Erneuerbaren Energien lägen um Längen vor ihrer Wertschätzung und Förderung durch politische Akteure.

    Lob erhielt der Klimaschutzplan 2050 der Regierung, der zwar eine weitreichende Konkretisierung bezüglich Langzeitziele und dorthin führenden Meilensteinen zwar vermissen lässt, jedoch zumindest das Dekarbonisierungsziel formuliert und die Pfadabhängigkeit zwischen Sektoren (Elektrizität, Verkehr, Gebäude) aufgegriffen hat. Zu hoffen ist, dass der Klimaschutzplan zukünftige politische Machtwechsel überlebt. Die Verzahnung der Sektoren Strom, Verkehr und Wärme birgt ein großes Potential für Innovationen und Fortschritt. Lösungen wie power-to-gas, power-to-liquid und Hybrid- und Speichertechnologien müssen vorangetrieben werden.

    Bereits heute leben 75 % der Menschen europaweit in Städten. Durch den Klimawandel sind insbesondere in den Städten eine wachsende Wärmebelastung und eine Niederschlagszunahme zu erwarten. Die urbane Entwicklung ist ein zukunftsweisender Bereich, in dem bisherige Versäumnisse bei der Energiewende im Verkehrs- und Gebäudesektor angepackt und Energieeffizienz vorangetrieben werden könnten. In diesem Zusammenhang sollten Städte polyzentrischen geplant, alternative Baustoffe und Dämmsysteme (auch gegen Hitze) vehement gefördert und multifunktionale Quartiersentwicklung vorangetrieben werden, um so sozial gerechte, lebenswerte, ökologisch verträgliche und bezahlbare Wohnviertel zu schaffen. Smart Cities sind visionäre Städte, in denen die Dekarbonisierung und integrierte Klimakonzepte eine zentrale Rolle spielen und Stadtgestaltung mehrdimensional mit unterschiedlichen Beteiligungsformen erfolgt. Um Visionen Realität werden zu lassen, werden Innovationen benötigt.

    Eine klare Botschaft an Politik, Wirtschaft und Wissenschaft: eine klar formulierte Zielvorgabe für den nationalen Klimaschutz kombiniert mit einer verstärkten Innovationsförderung müssen ausgearbeitet werden, um allen gesellschaftlichen Akteuren hilfreiche Leitplanken zu bieten.