• Geschichte

    Das Russisch-Deutsche Büro für Umweltinformation (RNEI) begann seine Tätigkeit in der ersten Hälfte des Jahres 2009 als Koordinationsbüro eines durch die Zusammenarbeit der Organisation Deutsch-Russischer Austausch (DRA) und des Journalisten Grigory Pasko realisierten Projekts zur Stärkung des Umweltjournalismus in Russland. Ermöglicht wurde dieses Programm durch die Unterstützung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) und des Diakonischen Werks der EKD.

    Die erste Phase des Projekts

    Die ersten Projektmaßnahmen des RNEI stellten in diesem Rahmen 6 Weiterbildungsseminare für russische Journalisten zu wichtigen Themen der Umweltpolitik dar. Den Anlass hierfür bildeten einerseits die geringe Präsenz ökologischer Themen in der russischen Medienlandschaft, sowie andererseits die auch dadurch bedingte geringe Informiertheit der russischen Öffentlichkeit über Umwelt- und Klimaschutzbelange.

    Durch die umfangreiche Vermittlung von Kenntnissen zu Recherchemethoden und aktuellen Umweltfragen, konnte die Professionalisierung der TeilnehmerInnen in diesem Bereich erhöht, ihre Multiplikatorenrolle bei der Verbreitung von Umweltschutzwissen in Russland verstärkt, sowie die Vernetzung von Medien mit UmweltexpertInnen ausgebaut werden.

    Die in das Projekt gesetzten Erwartungen wurden dabei nicht nur erfüllt, sondern teilweise deutlich übertroffen. Dies betrifft vor allem die Beteiligung der JournalistInnen und Redaktionen – insgesamt über 100 TeilnehmerInnen verschiedenster Medien – wie auch Gesamtzahl und -umfang der Publikationen als Ergebnis der RNEI-Angebote.

    Von zentraler Bedeutung für die fachliche und Medienwirkung erwies sich außerdem eine zusätzlich ins Programm genommene Reise für 6 Journalisten föderaler Medien zum UN-Klimagipfel in Kopenhagen, die praktisch erstmals in Russland umfangreiche Berichterstattung zu Klimaschutzfragen auslöste, da wichtige Akteure (z.B. RIA Novosti, Kommersant u.a.) beteiligt waren. Monitoring und Berichterstattung von nationalen und internationalen Klimakonferenzen bilden seitdem einen wesentlichen Arbeitsbereich des RNEI.

    Zur dauerhaften Vergrößerung des publizistischen Feldes und zur gewachsenen Medienöffentlichkeit für Umweltberichterstattung in Russland hat das RNEI-Projekt damit zweifellos beitragen können – einige Redaktionen und Autoren, die hierfür führend geworden sind, haben im RNEI-Projekt erhebliche Impulse und Kontakte erhalten, so A. Shapovalov (Kommersant) und Ilja Ferapontov (RIA Novosti).

    Zusätzlich zu den Journalistenseminaren konnten zudem zahlreiche weitere Veranstaltungen organisiert werden: Workshops und Blogger-School-Serien in Russland, universitäre Seminarreihen zu Umweltjournalismus in Moskau und St. Petersburg, Film- und Diskussionsabende in Russland und Deutschland zu verschiedenen Themen des Umwelt- und Klimaschutzes – etwa zur ökologischen Situation der Ostsee im Zusammenhang mit dem Gasleitungsprojekt „Nordstream“, als auch zur Umweltentwicklung in Südrussland in Zusammenhang mit der Vorbereitung der Olympischen Winterspiele in Sotschi 2014.

    Die Gründung einer eigenständigen russischen NGO

    Bereits in der ersten Phase konnte sich RNEI im russischen Umweltsektor zu einer eigenständigen „Marke“ entwickeln, die als Kooperationspartner zunehmend häufig angesprochen wurde. Zahlreiche Medien und Institutionen beider Länder (u.a. die Bundeszentrale für Politische Bildung für ihre Umweltbildungsmaterialien zu Russland) nutzten die Kompetenz der Projektmitarbeiter, vor allem der Umweltjournalistin Angelina Davydova, einer sowohl in Russland als auch in Deutschland anerkannten Expertin in den Bereichen Klimapolitik, internationale Umweltkooperation, erneuerbare Energien und Umwelt-NGOs.

    Über die eigene Projektarbeit hinaus gelang es RNEI zudem seinerseits zahlreiche institutionelle Impulse zu geben: so ist es beispielsweise Mitbegründer der Russischen Assoziation der Umweltjournalisten, entwickelte das Konzept für die Umweltkooperation Hamburg-Petersburg, war Mitinitiator/-organisator regelmäßiger Umweltbeilagen der Zeitung „Kommersant“, als auch des 1. Umweltfilmfestivals EcoCup in Moskau.

    Die Initiierung einer Umwelt-AG im EU-Russland-Zivilgesellschaftschaftsforum ist in diesem Zusammenhang ebenfalls zu nennen. Das Forum wurde als Plattform für die Kooperation von NGOs aus Russland und der EU im März 2011 in Prag gegründet. In die einjährige Vorbereitung konnten über Kontakte des DRA / RNEI von Beginn an wichtige Umwelt-NGOs beider Seiten einbezogen und eine Umwelt-AG geschaffen werden.

    Die zunehmende Etablierung in Russland und die komplexer werdende Arbeit des Projekts führten  schließlich zu der Entscheidung, das RNEI auch formaljuristisch als eigenständige russische NGO zu begründen, die künftig als direkter und handlungsfähiger Partner in Russland zur Verfügung stehen und die künftig auch über eine eigene Büro-Struktur verfügen sollte. Im April 2011 konnte dieses Vorhaben in die Tat umgesetzt werden. Die Leitung liegt seitdem bei Angelina Davydova in St. Petersburg.

    Umweltschutz und Bürgerbeteiligung

    Die Weiterentwicklung der russischen Mediensphäre hat seit Beginn der RNEI-Tätigkeit einen größeren Fluss an direkter Umweltinformation erzeugt – besonders durch die lebendige, schnelle Blogosphäre, die von vielen RussInnen gepflegt und genutzt wird, und durch die Verstetigung einer offeneren, regelmäßigeren Umweltberichterstattung in zumindest einigen der wichtigen Medien.

    Daneben ist ein gewachsenes Interesse russischer Bürger an dem Geschehen im Umweltbereich zu verzeichnen. Dies findet seinen Ausschlag nicht zuletzt in einer Vielzahl zivilgesellschaftlicher Projekte und Initiativen – eine der bekanntesten war die Bewegung zur Verteidigung des Chimki-Waldes bei Moskau. Mit dem Auftauchen solcher lokalen Umwelt-Initiativen ist es deshalb auch zu einer zunehmend wichtigen Aufgabe des RNEI geworden, die Positionen von Umwelt-NGOs und zivilgesellschaftlichen Initiativen zu stärken und deren weitere Entwicklung und öffentliche Wahrnehmung sowie ihre Interaktion mit bestehenden Umweltschutzstrukturen zu fördern.

    Im Bereich der zivilen Umweltbewegung haben besonders stadtökologische Fragen in den letzten Jahren wesentlich an Bedeutung gewonnen. Dabei geht es insbesondere um Umweltschutz und Interessensfragen bei der Neubebauung, Sanierung und Neugestaltung (Redevelopment) von alten Flächen, um die Teilnahme der Gesellschaft an der weiteren Stadtentwicklung und um die Berücksichtigung ökologischer und klimarelevanter Aspekte in Bezug auf die weitere Bebauung und Entwicklung von Flächen.

    In Fokussierung auf diese Entwicklungen bemüht sich RNEI deshalb auch um eine verstärkte aktive Beteiligung zivilgesellschaftlicher Akteure an der Konzeption von Nachnutzungs- und Sanierungsvorhaben ehemaliger Industrie- und Gewerbeflächen – wie bereits im Leningrader und Permer Gebiet geschehen. In diesen Zusammenhang gehören auch die Bemühungen um eine bessere Vernetzung zivilgesellschaftlicher Akteure miteinander sowie mit lokalen Behörden, als auch einen größeren Erfahrungsaustausch deutscher und russischer Experten.

    Die Anfragen verschiedener Akteure für Projektkooperationen oder Kontaktvermittlungen, die RNEI regelmäßig erreichen, sind dabei ein Zeichen dafür, dass die Organisation einerseits über starke Netzwerke verfügt, andererseits als verlässlicher Partner auf dem Gebiet des Wissenstransfers zwischen Deutschland/EU und Russland für ein weites Spektrum von Fragestellungen im Umweltbereich wahrgenommen wird.