• „Nicht schuldig“ befindet die Anklagebank

    by  • 10. September 2015 • Aktuelles

    Schon wieder ein „Angriff auf unser Land“: Russland will beim Handel mit CO2-Zertifikaten nicht gepfuscht haben, wie es eine internationale Studie dem Land vorwarf. Der Fehler habe am Handelsmechanismus „Joint Implementation“ gelegen, argumentieren Klimaexperten aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Und: Russland beteilige sich daran ja gar nicht mehr.

    Aus St. Petersburg Angelina Davydova

    Für das russische Wirtschaftsministerium ist die Welt noch in Ordnung. „Unsere Emissionen sind durch den Handel mit Emissionsrechten gesunken“, sagt Wladimir Maximow, im Ministerium für Energieeffizienz und Umwelt zuständig, gegenüber klimaretter.info. Genau das nämlich hatte eine Studie der Politikberater vom Stockholm Environment Institute (SEI) in der vergangenen Woche bestritten. Grob zusammengefasst: Die Studie warf Firmen vor, sich mit angeblichen CO2-Reduktionen in Russland systematisch bereichert zu haben.

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    Bei der Förderung von Erdöl werden sogenannte Begleitgase frei. Oft werden sie, wie im Bild zu sehen, einfach verbrannt, obwohl man sie auch nutzbar machen kann. Die nötigen Verfahren sind allerdings aufwendig. (Foto: Jarvin Jarle Vines/Wikimedia Commons)

    Es geht um den Klimaschutz-Mechanismus Joint Implementation, übersetzt „gemeinsame Umsetzung“. Damit können Industrieländer, die das Kyoto-Protokoll unterschrieben haben, Emissionseinsparungen untereinander handeln. „Wir haben weniger fossile Brennstoffe verbrannt und mehr Energie gespart – viele Unternehmen arbeiten jetzt mit moderner Technik“, sagt Maximow. Er beschreibt damit, wie Joint Implementation im Idealfall laufen sollte.

    Das Prinzip: Du gibst mir Geld für eine Modernisierung meiner Industrie – die Emissionen, die ich dadurch einspare, darfst du dir gutschreiben. Als „Gastgeberländer“ kommen vor allem osteuropäische Staaten in Frage, die durch den wirtschaftlichen Zusammenbruch nach 1990 immer noch viel weniger Treibhausgase ausstoßen als im Kyoto-Protokoll angedacht – die den zusätzlichen Klimaerfolg also weniger gebrauchen können als die Investitionen aus dem Ausland. Russland beispielsweise verursacht heute 5,8 Milliarden Tonnen oder 35 Prozent weniger Klimagift als 1990, die Ukraine sogar 53 Prozent weniger. Nach dem Kyoto-Protokoll sind beide Staaten verpflichtet, ihren Ausstoß auf dem Niveau von 1990 zu halten.

    Das Problem: Es ist schwer einzuschätzen, wie viele Emissionen die angeschobenen Klimaschutzprojekte wirklich verhindert haben. Genau da soll Russland während der ersten Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls von 2008 bis 2012 laut der schwedischen SEI-Studie nicht so genau hingeschaut haben. Die Verantwortlichen in Moskau hätten dadurch, so der Vorwurf, sogar hingenommen, dass die Emissionen durch den Joint-Implementation-Mechanismus noch deutlich gestiegen sind.

    Den kompletten Artikel finden Sie auf klimaretter.info