• Das Welterbe schützen: Vertreter aus Zivilgesellschaft fordern echte Mitwirkungschancen bei der Umsetzung der UNESCO Welterbekonvention

    by  • 2. Juli 2015 • RNEI

    Im Vorfeld der 39. Sitzung des UNESCO Welterbekomitees fand unter Federführung und Koordination von World Heritage Watch e.V. (WHW) vom 26. bis 27. Juni 2015 die internationale Konferenz „Welterbe und Zivilgesellschaft“ in Bonn statt. Dies war die zweite solche zivilgesellschaftliche Konferenz. Zuvor wurde sie 2012 in St. Petersburg von lokalen NGOs mit Unterstützung des DRA/RNEI organisiert. Dieses Mal kamen mehr als 100 Vertreter lokaler Gemeinschaften und Organisationen aus 32 Ländern zusammen, um über ihr Engagement in verschiedenen Kultur- und Naturerbestätten sowie die damit zusammenhängenden Probleme beim Schutz und der Entwicklung dieser Stätten zu berichten. Ein wichtiges Anliegen war zudem, dringend notwendige Mitwirkungsmöglichkeiten zivilgesellschaftlicher Akteure bei der Umsetzung der UNESCO Welterbekonvention auszuarbeiten. Diesbezüglich wurden zwei Beschlussentwürfe an das UNESCO Welterbekomittee verfasst, in der die formale Anerkennung der Zivilgesellschaft einerseits und der lokalen Gemeinschaften andererseits als Partner und Akteur innerhalb des Welterberegimes sowie dementsprechende regulative Mechanismen gefordert werden. Der Deutsch-Russische Austausch e.V. (Berlin) unterstützte die Konferenz durch die Entsendung von fünf Referenten aus Russland, Belarus und der Ukraine. Diese hielten jeweils einen Vortrag über die Situation und Bedrohung von Welterbestätten in ihren Ländern und formulierten im Anschluss eine Resolution an das UNESCO Welterbezentrum, um auf die besorgniserregenden Entwicklungen in diesen Stätten aufmerksam zu machen. Insgesamt gab es sechs Beiträge aus Russland, Belarus und der Ukraine: Julia Naberezhnaya und Mikhail Plotnikov vom Environmental Watch on North Caucasus thematisierten den bedrohten Schutzstatus des Westkaukasus durch Bauprojekte russischer Unternehmen, Elena Minchenok von Living City machte auf Managementprobleme im historischen Zentrums von St. Petersburg aufmerksam, Mikhail Kreindlin und Andrey Petrov von Greenpreace Russia führten besorgniserregende Bergbauprojekte in den Urwäldern Komis, im Naturschutzgebiet der Wrangelinsel, in den Goldenen Bergen des Altai und im Naturpark Vulkane Kamtschatkas vor, Yevgeniy Simonov von Rivers Without Boundaries sieht das Ökosystem des Baikalsees von existierenden und geplanten Wasserkraftwerksprojekten in Russland und der Mongolei bedroht, Stsiapan Stureika wies auf den verschlechtern Zustand der Schlösser Mir und Nesvich und die fehlende Einbindung der lokalen Gemeinschaft in das Management dieser kulturellen Güter hin und Igor Lutsenko von Save Old Kiev schließlich sieht die St. Sofia Kathedrale und ihre Umgebung durch die intensive Stadtentwicklung gefährdet. Auf der Konferenz wurde zudem entschieden, das internationale Netzwerk von World Heritage Watch auszubauen mit dem Ziel, die Staaten an ihre Verpflichtungen zur Bewahrung und Pflege der Welterbestätten zu erinnern, sowie zivilgesellschaftliche Aktivitäten weltweit zu koordinieren und zu unterstützen.